Dialekt: gut zu hören, schwierig zu lesen - und wie er salonfähig bleibt

Dialektpflege ist wichtig, denn die Sprache ist Heimat für die Menschen. Dabei haben wir in den letzten Heften schon gesehen bzw. gelesen, daß es recht schwierig ist, Sprache in Schrift umzusetzen. So muß der nasale Laut, der zwischen a und o gesprochen wird - z.B. in "dange" (danke) beim Schreiben ein neues Zeichen bekommen: å. Und so liest sich das Danke in Mundart also dånge. Auch die vielen "Nuschellaute" lesen sich schwierig, z.B. Geschichtchen: G'schichdsche. Daher ist Hören viel wichtiger für die Mundartpflege. Das Mundart-Lehrbuch mit Sprachbeispielen hilft dabei: „Grodde unn Lauser - Gschischde aus Südhesse“

Aber es gibt noch ein weiteres Problem: viele denken, Mundart wird nur von Bauern gesprochen. Mit "Bauer" meine ich nicht "Landwirt", sondern die volkstümliche und umgangssprachliche Bezeichnung für ungebildete Menschen. Und so kommt es immer wieder vor, daß Mundartliches mit deftigen Ausdrücken daherkommt. Die Mundartfreunde Südhessen möchten diesen Punkt klären: "Um unseren Dialekt dauerhaft als jahrhundertaltes Kulturgut erhalten  zu können, ist für jeden Babbler  von zentraler Bedeutung, wertschätzend mit der eigenen Wortwahl damit umzugehen. Vulgäre oder anstößige Begrifflichkeiten sind hier, wie auch in allen anderen Sprecharten, fehl am Platz und beschämen nicht nur unseren Dialekt, sondern werten ihn auch maßgeblich ab. Unser Dialekt ist mit einer unserer größten Schätze, mit dem auch so umgegangen werden muss." (Fritz Ehmke,  Silke Durrer). 
Der Durchblick möchte sich dieser Regelung anschließen und auch für die Mundart das Niveau einhalten, das uns den zwischenmenschlichen Umgang auf einer "gesellschaftsfähigen" Ebene ermöglicht.

Lustig war daher der Suchbegriff aus dem Novemberheft 2025: Wås is Gedeersgerumbel? Unsere Leserin E.B. hat diesen Ausdruck spaßeshalber erfunden. 

ChatGPT erklärte den Ausdruck so: "Gedeersgerumbel klingt wie ein regionaler oder dialektaler Begriff, der mir nicht geläufig ist. Möglicherweise handelt es sich um Folklore-, Dialekt- oder Fachjargon aus einer bestimmten Region." Damit lag die KI nicht sooo weit daneben!

Es trafen jedoch auch Erklärungsversuche in der Redaktion ein:
Frau L. A. meinte, daß ein »m« fehlen müsse, und geedeermsgerumbel könnte für "Darmgeräusche" stehen.
Ein älterer Odenwälder glaubte gar, daß er das Wort von früher kennt: es bedeute "wenn mehrere Türen gegeneinander geöffnet sind und dann gleichzeitig auf und zugehen (auch von Hand betätigt)". Seine Tochter, die mir die Antwort schrieb, hatte noch eine andere Vermutung: es könne sich um Tiergeräusche handeln, etwa wenn  etwas über das Dach rennt, quasi "Gerumpel von Getieren"...

Das Erfinden von Wortbedeutungen hat übrigens eine lange Tradition: Im Jahr 1916 wurde der Dadaismus erfunden, eine Literaturform in der sinnlose Wortschöpfungen zum Einsatz kamen. An dieser Stelle möchte ich Ihnen das Gedicht "Karawane" (Zug der Elefanten) von Hugo Ball vorstellen, das 1917 veröffentlicht wurde. Lesen Sie es laut vor und lassen Sie es auf sich wirken! 

M. Hiller

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