Geschichtswerkstatt der Geschwister-Scholl-Schule Bensheim, Frank Maus (Rektor) Hessische Lehrkräfteakademie, Studienseminar Heppenheim, Geschwister-Scholl-Schule Bensheim
Juni 2026 - Gedenkveranstaltung auf dem Jüdischen Friedhof in Alsbach
ALSBACH-HÄHNLEIN/BENSHEIM. Am Dienstag, 26. Mai 2026, findet auf dem Jüdischen Friedhof in Alsbach eine besondere Gedenk- und Erinnerungsveranstaltung statt. Im Mittelpunkt steht die feierliche Wiedererrichtung des Grabmals von Moses Wolf. Beginn ist um 17 Uhr am Eingang des Jüdischen Friedhofs, das Ende ist gegen 18.30 Uhr am Grab von Moses Wolf geplant.
Schülerinnen und Schüler der Geschichtswerkstatt der Geschwister-Scholl-Schule Bensheim haben in den vergangenen Monaten die Geschichte der jüdischen Familie Wolf aus Bensheim aufgearbeitet. Moses Wolf, der in Bensheim eine Mehl- und Futterhandlung betrieb, wurde nach seinem Tod im Jahr 1927 auf dem Jüdischen Friedhof in Alsbach beigesetzt. Sein Grabmal wurde in der Zeit des Nationalsozialismus gewaltsam zerstört. Seine Ehefrau Hannchen Wolf wurde 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet; der gemeinsame Sohn Jakob konnte mit seiner Familie in die USA fliehen.
Aus der Recherche entstand die Idee, den zerstörten Grabstein anhand historischer Unterlagen und gefundener Grabsteinfragmente wiederherzustellen. Damit kehrt nicht nur ein Stein an seinen Ort zurück. Das Projekt setzt zugleich ein Zeichen der Erinnerung, der Verantwortung und der Würde. Dies gilt auch für Hannchen Wolf und ihres Sohnes Jakob als Opfer der Nationalsozialisten.
Das Programm beginnt mit einer historischen Einführung sowie kurzen Grußworten, unter anderem von Alsbach-Hähnleins Bürgermeister Sebastian Bubenzer, der die Schirmherrschaft übernommen hat. Gegen 18 Uhr folgt am Grab von Moses Wolf die Enthüllung des wiedererrichteten Grabsteins mit einer kurzen würdigenden Zeremonie. Aus den USA und den Niederlanden haben sich mittlerweile auch Nachfahren/Familienmitglieder angekündigt, welche der Zeremonie beiwohnen möchten.
Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen. Die Veranstalter weisen darauf hin, dass die Veranstaltung auf unebenem, freiem Gelände stattfindet. Männliche Besucher werden gebeten, auf dem jüdischen Friedhof eine Kopfbedeckung zu tragen.
Ort: Jüdischer Friedhof Alsbach Zeit: Mittwoch, 24. Juni, 16:00-17:30 Uhr
Januar 2026 - Denkmal für Zwangsarbeiter - Präsentation 27. Januar 26
Scholl-Schüler laden Bürgerschaft zur Begutachtung der Denkmal-Modelle ein / Jury wählt Entwurf zur Umsetzung auf Schulgelände aus. Beitrag Bensheims zum Holocaust-Gedenktag, 27.1.2026
„Endlich können wir den ersten Schritt in die Öffentlichkeit gehen und unsere Modelle für ein Denkmal, das den Zwangsarbeitern im ehemaligen Tonwerk Heppenheim-Bensheim gewidmet wird, vorstellen“, hört man aus den Reihen der 10.-Klässler*innen, welche am gleichnamigen Projekt beteiligt sind. Melanie Wüst und Martin Zipp, die beiden federführenden Lehrkräfte, welche die Schülerschaft begleiten, freuen sich mit Realschul-Leiterin Sandra Maus über prominente Unterstützung bei der Auswahl des Siegerentwurfes.
Die beiden beteiligten Kunst- & Architektur-Lerngruppen hatten sich im ersten Halbjahr des aktuellen Schuljahres zunächst intensiv mit der unmenschlichen Lebens- und Arbeitssituation der Zwangsarbeiter im Heppenheimer Tonwerk, das auch eine Außenstelle in Bensheim betrieb, auseinandergesetzt. In einem zweiten Arbeitsschritt entwickelten sie erste Ideen, wie man diesen NS-Opfern in plastischer Ausdrucksform gedenken könnte. Hierbei überlegten sie stets, wie das damalige Schicksal dargestellt und gleichzeitig heutige Betrachtende zum Nachdenken angeregt werden könnten.
Prominente Jurymitglieder aus Stadt und Kreis Bergstraße
Als Jurymitglieder können sich die Schüler*innen nicht nur auf Thomas Stricker, ihren eigenen Schulleiter freuen. Es haben sich ferner Magistratsmitglieder, Kreisbaudezernent Matthias Schimpf und Schulamtsdezernent Sebastian Schaab angekündigt. Ergänzt werden die vier durch zwei Projektinsider, den Zwangsarbeiternachfahren Ryan Lilienthal, welcher aus den USA anreist, sowie Bauingenieur Christoph Turetschek, der die Schüler bereits projektbegleitend beriet.
In einem dritten Arbeitsschritt fertigten die Lernenden schließlich Modelle zu ihren Entwürfen an und kamen dabei auch mit dem gewünschten zentralen Gestaltungsmaterial – Natur-Ton – in Berührung. Architektur-Lehrer Martin Zipp äußert hierzu: „In dem Moment, wenn unsere Schülerschaft aus den theoretischen Ideen plastisch-realistische Modelle anfertigt, lernen sie gleich mehrfach. Zum einen lernen sie Naturton als passenden Werkstoff kennen, der direkt auf den Werkstoff des Tonwerks Bezug nimmt. Diesen haben sie in modellhaftes Ziegelsteinformat gebracht. Dadurch, dass diese nun verbaut werden mussten, konnten sie ebenfalls erste bautechnisch-statische Erfahrungen sammeln. Hierbei wurden sie von Bauingenieur Christoph Turetschek fachkompetent beraten.“ (Wir berichteten)
Kunstlehrkraft Melanie Wüst freut sich auf rege Teilnahme bei der Modellauswahl: „Wenn sich Schüler*innen derartig lange und intensiv mit einem Kunstprojekt auseinandersetzen, ist es ein wichtiger Ausdruck von Wertschätzung, wenn die Ergebnisse auch von Gästen bestaunt werden. Neben den Jahrgangskolleg*innen unserer 10. Klassen laden wir die Bensheimer Bürgerschaft und die Parteien aus dem Stadtparlament herzlich zu uns ein.“ Das Forum der GSS wird hierzu bestuhlt sein. Die Ränge der Aula bieten weiteren umfangreichen Platz an.
Wann: 27.1. 2026
Uhrzeit: 9:00 Uhr – ca 11:30 Uhr
Ort: Forum der GSS (Aula)
Frank Maus - Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl

Pressebild: (Frank Maus – Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl)
Dezember 2025 - Ein Denkmal für Zwangsarbeiter des Tonwerks Bensheim & Heppenheim: Scholl-Schüler führen Workshop zur Einführung in die Bautechnik durch – Bauingenieur Christoph Turetschek zu Besuch im Unterricht
„Aus der Geschichte für das Leben lernen“: Die Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl macht ihrem Namen Ehre und geht wieder einmal neue pädagogische Wege. Aktuell setzen sich zwei Realschulgruppen unter der Leitung von Melanie Wüst und Martin Zipp mit Hintergründen und Lebensumständen der Zwangsarbeiter auseinander, die im Zweiten Weltkrieg unter unmenschlichen Bedingungen im Heppenheimer Tonwerk schuften mussten. Bald reifte die Idee, diesen Menschen ein Andenken in Form eines Mahnmals zu geben. Somit war die Projektidee geboren, den Kunst- und Architektur- mit Geschichtsunterricht zu verknüpfen. Die Stadt Bensheim mit ihrer Aktionsreihe „Bensheim lebt Demokratie“, der Holcaust-Opfer-Nachfahre Ryan Lilienthal, Frank Maus sowie weitere Kooperationspartner fördern die innovative, erinnerungshistorische Arbeit. Ein wichtiger Schritt war nun die `Einführung in die Bautechnik´ mit Bauingenieur Christoph Turetschek.
Die beiden Kunstlehrkräfte Melanie Wüst und Martin Zipp wissen aus jahrelanger Erfahrung nur zu gut: „Schulische Werkstattarbeit bedeutet Kreativität und Mut, Lerngegenstände mittels einer Vielzahl von Methoden und Lernprodukten erfahrbar zu machen. Diesmal wollen wir den Schülern die Möglichkeit geben, etwas wirklich Bleibendes zu entwickeln – ein plastisches Denkmal für Menschen, die wir nicht vergessen dürfen.“ Durch ihren guten Kontakt zu den beiden Leitern der Geschichtswerkstatt, Peter Ströbel und Frank Maus konnten historische Hintergründe geklärt und Dokumente nutzbar gemacht werden. Maus und Ströbel koordinieren die Zusammenarbeit mit einer Vielzahl von Kooperationspartnern, die das Projekt unterstützen, während die beiden Kunstlehrkräfte direkt mit den Schülerinnen und Schülern arbeiten.
Workshop mit Bauingenieur
Nachdem sich die Lernenden zunächst mit den historischen Hintergründen des Tonwerks während der Nazi-Diktatur beschäftigt haben, wurden schließlich eine Vielzahl von Gestaltungsideen für ein Denkmal entwickelt. Martin Zipp lässt seine Projektgruppe, die zum einen aus Realschülern und zum anderen aus Gymnasiasten besteht, bewusst mit architektonischen Stilen operieren: „Wir werden künstlerische Ideen mit Realwerkstoffen verschmelzen und dadurch mit allen Sinnen erfahrbar machen. Um schlussendlich ein reales Denkmal nicht nur entstehen, sondern auch dauerhaft erhalten zu können, ist es jedoch nötig, das Projekt auch bautechnisch verantwortungsvoll zu begleiten.“ So wurde Bauingenieur Christoph Turetschek vom gleichnamigen Büro aus Lautertal eingeladen, welcher nach offizieller Begrüßung durch die Realschulleiterin Sandra Maus schließlich einen zweiteiligen Workshop mit den Schülern durchführte. Da es um die Opfer der Zwangsarbeit im Tonwerk geht, führte er die Lernenden zunächst in die bautechnischen und statischen Grundlagen der Konstruktion mit Ziegelwerkstoffen ein. Hiernach stand ein Praxisteil auf dem Programm bei dem unter Anleitung von Turetschek mittels originaler Backsteine aus dem Tonwerk verschiedene Konstruktionsformen ausgetestet wurden.
Turetschek band die Schüler von Beginn an aktiv in seine Ausführungen ein und verdeutlichte seine Erläuterungen mit einer Vielzahl von Modellen und Grafiken. Eine seiner zentralen Botschaften war hierbei: „Wenn ein Körper in Ruhe ist, sind alle Kräfte im Gleichgewicht! Dies ist der Schlüssel der Statik. Die heutigen Informationen sollen helfen, Eure Entwürfe zu überprüfen und ein ordentliches, stabiles und dauerhaftes Mauerwerk für das Denkmal herzustellen.“
Ergebnispräsentation am Holocaust-Gedenktag, 27. Januar 2026
Melanie Wüst gab zum Ende des Workshops Einblicke in die weitere pädagogische Arbeit: „In den nächsten Wochen werden die Schüler ihre Denkmalentwürfe überarbeiten und Modelle mit Miniaturziegelsteinen erstellen. Wir freuen uns schon sehr auf die öffentliche Präsentation der Modelle am 27.1.2026. Zum Holocaust-Gedenktag würdigen wir die Opfer der NS-Zwangsarbeiter im Tonwerk durch die Vorstellung unserer Arbeitsergebnisse. Eine Jury wird aus der Vielzahl der Entwurfsmodelle eines auswählen, das schließlich im Frühjahr nächsten Jahres auf dem Gelände der GSS gebaut wird. Teil der Jury wird neben Schuleiter Thomas Stricker Bürgermeisterin Christine Klein, Ryan Lilienthal aus den USA, dessen Vorfahren im Tonwerk Zwangsarbeit verrichten mussten, sowie Bauingenieur Christoph Turetschek sein.“
Frank Maus, Geschichtswerkstatt Geschwister Scholl

Schüler*innen der Geschichtswerkstatt führen Konstruktionsversuche mit historischen Ziegelsteinen aus dem Tonwerk durch. Photos: Frank Maus (Geschichtswerkstatt)
September 2024 - Öffentliche Buchpräsentation „Gegründet 1936? Das Kaufhaus Ganz in Bensheim und seine jüdische Vorgeschichte“
Umfangreiche Arbeitsergebnisse zur Historie des Bensheimer Kaufhauses Ganz stellte die Geschichtswerkstatt der Geschwister-Scholl-Schule Bensheim im September vor. Vorausgegangen war ein öffentlich ausgetragener Streit zwischen der Kaufhausführung des „GANZ“ und historisch interessierten Kritikern zur Jubiläums-Kultur im Kaufhaus. Speziell im Jahr 2016 waren die jüdischen Vorbesitzer*innen völlig unerwähnt geblieben, sowie fragwürdiges zeitgenössisches Bildmaterial aus der Nazizeit zu Werbezwecken genutzt worden. Schulleiter Thomas Stricker und Oberstufenleiter Tim Schmöker erinnern: „In der Hochphase der Auseinandersetzungen wurde schließlich unsere Geschichtswerkstatt mit ihren Schüler*Innen und Leitern um wissenschaftlich valide Aufarbeitung des Sachverhaltes gebeten. Die ausführlichen Analysen liegen nun auf 644 Seiten in Buchform vor und sind erwerbbar." Das Buch ist erhältlich bei Kaufhaus Ganz, der Buchhandlung Schlapp und bei der BA-Pressestelle zum Preis von 36 Euro.
"Wir sind uns zweifelsfrei bewusst, dass die Auseinandersetzungen des 'Ganz-Jubiläumsjahres' 2016 zu erhöhter Aufmerksamkeit in Bensheim geführt haben. Viele Menschen wollen seitdem wissen, inwiefern mit der Erinnerung zur NS-Zeit umgegangen wird und welche Rolle der Kaufhaus-Käufer Ernst Ganz im NS-Staat gespielt hat, bzw. wie er mit den jüdischen Vorbesitzer*innen umgegangen war“, fasst Frank Maus, einer der beiden Leiter der Geschichtswerkstatt, die schwierige Ausgangslage zusammen. „Unsere Dokumentation fußt daher auf einem sehr breiten Daten- und Dokumententableau. Es werden mehrperspektivische Zugänge aus Verkäufer- und Käufersicht dargelegt sowie ein speziell Bensheim-bezogener Blick reichsweiten Entwicklungen gegenübergestellt. Somit dürfte uns eine weitgehend objektive Analyse gelungen sein.“ Streit über die gesellschaftliche Rolle und Verantwortung des Ernst Ganz dürfte somit in Zukunft nicht mehr nötig sein, vermuten die Akteure der Geschichtswerkstatt. Zentrale Erkenntnisse zur Genese des früheren NSDAP-Mitglieds Ernst Ganz werden im Buch vorgestellt, Hinweise zur Einschätzung und Bewertung der Kaufabwicklung des Kaufhauses erläutert. "Insofern geben wir eine recht klare Auskunft zur Frage, ob oder inwieweit der Besitzerwechsel 1936 eine 'rücksichtslose Arisierung jüdischen Vermögens' darstellt. Die Phase der Wiedergutmachungen ist hierbei ebenso aufschlussreich und wurde detailreich aufgearbeitet,“ so Maus. Peter Ströbel, ebenfalls Leiter der Geschichtswerkstatt, hierzu: „Es ist uns gelungen, die Schicksale der betroffenen jüdischen Familienmitglieder umfassend zu erforschen. Hierbei gehen wir bis in das Jahr 1899, dem Jahr der Kaufhausgründung, zurück. Jede Person und deren Schicksal wurde von uns gewürdigt und daher dokumentieren wir deren Lebensweg im Kontext der Emigration aus Nazi-Deutschland ausführlich und respektvoll.“ Die Nachkriegs- und Wirtschaftswunderzeit nach Ende des Hitler-Regimes beendete die Leidenszeit der ihrer Heimat beraubten Juden nicht. Insbesondere jahrelange Auseinandersetzung mit den deutschen Wiedergutmachungsbehörden in der jungen BRD offenbaren eine Art „Zweiter deutscher Schuld“, so Ströbel. n