Der geplante Neubau einer Kindertagesstätte an der Lautertalhalle ist im Wahlkampf angekommen. Um es vorweg zu nehmen: Die SPD Lautertal ist einer Diskussion gegenüber offen. Aber das Thema, bei dem noch vor wenigen Wochen weitgehend Einigkeit über Parteigrenzen hinweg bestand, eignet sich nicht als Wahlkampfthema. Denn bei der Kommunalwahl wird nicht über Pro und Contra der Kita an der Lautertalhalle entschieden. So einfach ist es nicht. Denn es handelt sich um eine Pflichtaufgabe der Gemeinde Lautertal, welche letztlich die Kindergartensituation für Kinder, Eltern und Erzieherinnen im Lautertal zu verbessern soll. Dazu wurde vom Gemeindevorstand schon vor einigen Jahren eine Kita-Kommission eingerichtet, die nach einer detaillierten Analyse zu einer Standortentscheidung an der Lautertalhalle und dort zum Erwerb eines Grundstücks geführt hat. Inzwischen besteht an der Lautertalhalle Baurecht. Und bis dahin war es schon ein langer komplizierter und für viele Eltern und Erzieher nicht nachvollziehbarer Weg. Jetzt ist es an der Zeit, zur Umsetzung zu kommen.
In der Kommission sind neben allen Fraktionen der Gemeindevertretzbg auch weiterhin der Träger der Kita beteiligt. Eine Beteiligung von Kindergarteneltern kann nur informativen Charakter haben. Eine Bürgerbefragung halten wir nicht für zielführend. Unabhängig von der unklaren Fragestellung, würden dabei die Interessen älterer Bürger auf die von Familien mit Kleinkindern treffen.
Mit dem Neubau soll darüber hinaus die Effiziens der Personalsteuerung verbessert werden. Die bekannten Kinderzahlen der kommenden Jahre müssen dabei zwar eine Rolle spielen, doch wissen erfahrene Kommunalpolitiker, dass die vom Kreis gelieferten Zahlen keinen Zuzug (Ciba-Gebäude) und insbesondere keine Neubaugebiete (u.a. Schmelzig, Hofacker) berücksichtigen.
Der Standort in Elmshausen wurde unter anderem auch gewählt, da abzusehen war, dass die Kita im Ortsteil Lautern nicht mehr den erforderlichen Standards entspricht und auf Dauer nicht mehr über eine Betriebserlaubnis des Kreis-Jugendamtes verfügen wird. Der Ortsbeirat Lautern hat dies bedauert, letzlich aber dazu die Erläuterungen des Vorsitzenden der Gemeindevertreung und des Bürgermeisters einstimmig akzeptiert. Auch ist die Verkehrssituation aus unserer Sicht dort kritischer zu bewerten, als am neuen Standort. Nach unserer Beobachtung werden ca. 80 Prozent der Kinder mit einem Fahrzeug zur Kita gebracht. Die Betriebserlaubnis endet mit Ablauf des Jahres 2026. Dennoch steht die SPD Lautertal auch hier dem Wunsch anderer Gruppen offen gegenüber, einen aus unserer Sicht kaum zu bewältigenden Sanierungsbedarf in Lautern konkret in der Kita-Kommission zu beziffern.
Gleiches gilt für die Kita Reichenbach, die aber ohnehin nicht ohne einen Neubau an der Lautertalhalle saniert werden könnte. Schließlich müssten die Kinder ja auch während einer Sanierung anderweitig untergebracht werden. Eine Container-Lösung in dieser Zeit würde weitere hohe Kosten verursachen.
Bei der Planung und Ausführung muss natürlich immer die Grundsteuer B berücksichtigt werden. Diese kann nicht ins Unendliche steigen. Einsparungen könnten sich immerhin durch den Wegfall von Planungskosten beim Bau einer sogenannten Modell-Kita ergeben. Zudem soll die Gemeinde rund 2,3 Millionen Euro aus dem Sondervermögen Infrastruktur des Bundes erhalten, die in dieses Projekt investiert werden könnten. Der Verkaufserlös durch die Aufgabe der Kita Lautern und evtl. eines weiteren Standorts sollte ebenfalls in das Projekt einfließen. Darüber hinaus wurde vor wenigen Tagen vom Land Hessen ein zinsgünstigeres Darlehen aus dem Hessischen Investitionsfonds bis maximal 2,5 Millionen Euro speziell für Baumaßnahmen im Kita-Bereich in Aussicht gestellt. Aber auch die Rückzahlung muss gesichert werden.
Die SPD Lautertal hat die Situation der Gemeinde und speziell auch die Pflichtaufgabe Kindertagesstätten seit vielen Jahren fest im Blick. An der Investition in einen Neubau geht aus unserer Sicht jedoch kein Weg vorbei. Dabei sind wir wie immer an einem sachlichen Austausch von Argumenten und letztlich an einer von allen getragenen Lösung interessiert.
Tobias Pöselt, Vorsitzender der SPD Fraktion Lautertal/Odw., Gemeindevertreter der Gemeinde Lautertal/Odw. Mail: