Beitrag der GGEW AG zur regionalen Energiewende

Der Beitrag der GGEW AG zur regionalen Energiewende: ein Vortrag beim Klimabündnis Bergstraße

Die Energiewende ist eine große Gemeinschaftsaufgabe, die nur gelingen kann, wenn Politik, Wirtschaft und Gesellschaft konstruktiv zusammenarbeiten, so Carsten Hoffman, Vorstand der GGEW in seinem Vortrag beim Klimabündnis Bergstraße im November 2025. 
Während die Bundes- und Landespolitik die Rahmenbedingungen setze, komme es gerade auf lokaler und regionaler Ebene auf konkrete Umsetzung und gute Kooperation an. Als Beispiel führt er Bensheim an, wo die Kommunalpolitik mit ihrem ambitionierten Klimaplan wichtige Weichen gestellt habe. Auch Industrie und Handwerk leisten einen wesentlichen Beitrag zur regionalen Energiewendem, ebenso die vielen Menschen, die in erneuerbare Energien investieren: Solaranlagen auf dem Dach, Wärmepumpen, Beteiligungen an Energiegenossenschaften oder Umstieg auf Elektromobilität.

Zentrale Rolle der Netzbetreiber:

Netzausbau und Digitalisierung schaffen  die Voraussetzungen für die Energiewende in der Region. „Als regionaler Versorger und Netzbetreiber stellt sich die GGEW AG dieser Verantwortung.“ Carsten Hoffmann ging in seinem Vortrag unter anderem auf die Entwicklung des Stromnetzes und den Ausbau erneuerbarer Energien, aber auch das Carsharing-Angebot der GGEW und die Photovoltaik-Überdachung des Mitarbeiterparkplatzes ein.
Im Einzelnen erläuterte Hoffmann die vier Bereiche für eine regionale Energiewende. Die Kennzahlen finden sich im Jahresbericht der GGEW.

Stromnetz wird für das Heizen von zentraler Bedeutung: 

die Summe der installierte PV-Leistung beginnt 1993 bei fast null, steigt ab 2007 sanft und ab 2023 steiler an, 2025 sind etwas über 100 MW installiert, die voraussichtlich sich bis 2045 auf zwischen 300 MW und 500 MW steigern werden. Mehr Elektrifizierung sei in Bezug auf die Dekarbonisierung sinnvoll, zum Beispiel über Wärmepumpen. "Mit einem Umstieg auf die Wärmepumpe in der Breite der Bevölkerung rücken andere Energieträger wie Gas oder Heizöl in den Hintergrund, das Stromnetz wird hingegen auch fürs Heizen zentral werden."
Bundesweit ist die GGEW an 45 Windkraftanlagen beteiligt. Zusammenm mit den 43 Photovoltaik-Freiflächenanlagen erzeugt das Unternehmen im Jahr eine Leitung von rund 133 MW aus rein erneuerbaren Quellen. Durch diese Erzeugungsleistung konnten im Jahr 2024 etwa 146.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Perspektivisch sollen bei neu geplanten PV-Freiflächenanlagen auch Batteriespeicher mitgedacht werden, wie etwas in Wald-Michelbach schon realisiert. Diese Entscheidung wird jedoch von Projekt zu Projekt abgewogen. Eine Kombination mit einem Batteriespeicher kann die Gesamtwirtschaftlichkeit eines Projektes erhöhen und die Netzstabilität verbessern.

Um Konflikte mit der Landwirtschaft zu umgehen, seien Parkplätze mit PV-Überdachung ideal. Es werde keine zusätzliche Fläche versiegelt und die geparkten Autos stehen im Schatten. Der mit Photovoltaik überdachte Mitarbeiterparkplatz der GGEW versorgt die Ladestationen auf dem Parkplatz und das nahegelegene Schwimmbad in Bensheim mit Strom, so rechnet sich diese Einrichtung.

In bezug auf Windkraftanlagen äußerte Carsten Hoffmann optimistisch, daß diese in Bensheim und Umgebung irgendwann komme. Bei hohem Ertrag seien WKA durch geringe Betriebskosten, ausgereifte Technologie und wenig Flächenverbrauch auch klimafreundlich. Am Beispiel Roßdorf erläuterte er, daß die seit 10 Jahren laufende Anlage eine hohe Versorgungsstabilität für 5000 Haushalte in  lokaler Wertschöpfung liefere. Polemik und Populismus dagegen könne nur durch Aufklärung und stärkere Bürgerbeteiligung begegnet werden.

Der Digitale Zwilling: Früherkennung und schnelle Reaktionszeit

Die Digitalisierung des Stromnetzes ist bei GGEW bereits fortgeschritten, es wurde ein "Digitaler Zwilling" erstellt: ein Abbild des physischen Stromnetzes für Berechnungen von Meßdaten. So kann durch automatisierte viertelstündliche Berechnung des gesamten Niederspannungsnetzes vieles steuern und schnelle Reaktionen ermöglichen: 

  • Früherkennung von Engpässen, da mögliche zukünftige Überlastungen sichtbar werden, bevor sie auftreten
  • Automatisierte Handlungsempfehlungen zur Lastreduzierung z. B. bei E-Mobilität, Wärmepumpen (nach § 14a EnWG) oder zur Einspeisereduzierung von Erzeugungsanlagen
  • Erhöhte Versorgungssicherheit durch vorausschauendes Lastmanagement
  • Effizienterer Netzbetrieb, da Maßnahmen datenbasiert und zielgerichtet erfolgen können

Adäquate Abrechnung für Einspeisung?

Für die Einspeisung bekommt man aktuell knapp 8 ct. je Einheit, während man für die Abnahme 36 ct. zahlt. So wurde aus dem Publikum danach gefragt, wann dies angepaßt werde. Hoffmann dazu: aktuell gebe es Probleme, Material wie Steuerboxen für Smartmeter zu bekommen, die Einführung wäre daher noch nicht wirtschaftlich. „Wir sind als Branche noch nicht soweit, das Abrechnungssystem ist noch nicht entwickelt. Das ist historisch gewachsen und heute schwierig anzupassen. Es liegt noch kein Rechtsrahmen vor.“ Man stehe hier bundesweit ganz am Anfang der Entwicklung. es gebe heute noch keinen Netzbetreiber, der über Pilotprojekte hinaus ist.

Was wird aus dem bestehenden Gasnetz?

Auf die Frage, was ab 2035 mit dem bestehenden Gasnetz werde, wenn keine neuen Gasheizungen mehr eingebaut werden dürfen, beruhigte Hoffmann: „Die GGEW unterstützt ihre Gaskunden weiterhin und wird 2035 das Gasnetz nicht abschalten." Bis dahin sei es durchaus noch sinnvoll, eine alte Gasheizung durch eine neue Gastherme zu ersetzen, diese habe eine wesentlich höhere Effizienz als alte Anlagen. Auch wenn die GGEW ihr Gasnetz als Top Infrastruktur errichtet hat, darf ab 2045 kein Gas mehr verheizt werden. „Mir tut es weh, das abzureißen“. Völlig unverständlich bleibt für Hoffmann, daß die Regierung Anfang 2026 den Gaspreis niedriger mache, obwohl das Geld für Investitionen nötig wäre. 
Als Resumee läßt sich sagen, daß es eine Menge Bereiche gibt, wo „wir noch an Anfang stehen“ (Hoffmann). So gehe es beim zentral wichtigen Ausbau von Smart Metern und Steuerboxen doch recht langsam voran und bei der Verbreitung von Solaranlagen auf Mietshäusern („Gemeinschaftliche Gebäudeversorgung“)  gebe es eine gewisse abwartende Haltung. 

M. Hiller, Dezember 2025

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