Zwar gelten die Bauernregeln des 100jährigen Kalenders nur sehr lokal, doch stellen solche Sammlungen einen kostbaren Schatz dar!
Landwirte leben seit Jahrhunderten mit und nach dem Wetter, denn es ist existentiell für ihre Arbeit. Konnte man in früheren Zeiten auf einen Wetterwechsel schließen, wenn die Schwalben tief flogen, so holt man sich heute das aktuelle Wettermodell beim Deutschen Wetterdienst.

Fast wolkenloser Himmel über den Meßeinrichtungen im Wetterpark: die einzelnen Stationen messen Lufttemperatur, Erdbodentemperatur, Luftfeuchte und Luftdruck, Windrichtung und -stärke, Niederschlagsdauer und -menge, die Wolkenuntergrenze und die Sichtweite, die Sonnenscheindauer, die Art des Niederschlags (Regen, Schnee, Hagel) und die Lufthygiene.
Alle Daten werden in dem blauen Container zusammengetragen und für Wetterdienste aufbereitet. Heute läßt sich eine zuverlässige Wettervorhersage auf 7-10 Tage genau treffen. Erfahrungsgemäß verschärft sich die Genauigkeit alle 10 Jahre auf einen Tag mehr...
Viele Sprichwörter zeugen von der exakten Wetterbeobachtung, und natürlich zeichnen Landwirte auch heute noch Wetterereignisse auf. Wenn man sagt "das Blatt hat sich gewendet", so kommt das von bestimmten Bäumen, deren Blätter sich nach dem 24. Juni drehen, etwa die Silberpappel. Vorher lassen die Blätter möglichst viel Licht zu den Wurzeln durch, danach nehmen sie alle Feuchtigkeit auf, die sie für die Wurzeln bekommen können.
Als es noch keine Kalender gab bzw. die Menschen nicht lesen konnten, wußten sie so ganz genau, wann das Blütenwachstum endet und das Wurzelwachstum beginnt. Bei vielen Nahrungspflanzen ist dies enorm wichtig.
Gelernt haben wir das mit dem gewendeten Blatt bei einer Führung im Freilichtlabor Lauresham - zu jeder Jahreszeit und zu jedem Thema eine wunderbare Empfehlung!
Doch zurück zum Wetter: "Wetterpark Offenbach - Schichtwechsel in der Wettervorhersage"
Unter diesem Motto stand die Führung mit Wetterpark-Guide Klaus Bähnke im September im Rahmen der Tage der Industriekultur Rhein-Main. Bähnke war früher als Meteorologe in aller Welt unterwegs, so auch auf dem Forschungsschiff Polarstern und auf der deutschen Polarforschungsstation Neumayer-Station III in der Antarktis. Seit 2020 ist er Wetterparkgästeführer für Erwachsenen- und Kinderführungen.
Morgenrot bringt schlechtes Wetter, Abendrot bringt einen sonnigen Tag...
Diese Bauernregel erklärt sich so: bei Morgenrot werden Wolken im Westen von der aufgehenden Sonne angeleuchtet, das heißt sie kommen vom Meer und bringen Feuchtigkeit mit. Bei Abendrot bescheint die untergehende Sonne Wolken im Osten, die aus Regionen mit trockenem Kontinentalklima kommen. Diese Regel stimme jedoch nur bedingt, erklärte Klaus Bähnke. Es gebe größere regionale Abweichungen.
Solche Bauernregeln stammen aus einer Zeit, als Aufzeichnungen aus lokalen Wetterbeobachtungen erstellt wurden. Auch die kalendarischen Angaben können verschoben sein, denn der gregorianische Kalender führte im 16. Jahrhundert eine neue Zeitrechnung ein, die dann mit alten Aufzeichnungen nicht mehr übereinstimmte.
Wissenschaftliche Aufzeichnungen begannen erst im 18. Jahrhundert. In der Klimahütte, einem hölzernen Kasten, waren die Meßinstrumente auf exakt zwei Metern Höhe untergebracht.

Denn erst mit Einführung der Telegrafie ab ca. 1730 konnten Wetterdaten großflächig genutzt werden, mit Erfindung des Morsecode ab 1832 weltweit.
Für die Berechnung einer Vorhersage für mehrere Stunden hätte man damals noch Monate gebraucht. Erst Großrechenanlagen in den 1950er Jahren ließen endlich verläßliche Vorhersagen von 1-2 Tagen zu.
Was ist eigentlich Wetter, Witterung und Klima?
Wetter, Witterung, Klima beschreiben alle drei das Geschehen in der Atmosphäre. Meteorologische Größen wie Temperatur, Niederschlag oder Windgeschwindigkeit bestimmen, wie sich Wetter, Witterung und Klima an verschiedenen Orten der Erde ausprägen. Allerdings unterscheiden sich die Zeiträume, die jeweils zur Betrachtung herangezogen werden. Wetter ist das gegenwärtige Geschehen am Himmel, Witterung beschreibt das Wetter über einen Zeitraum von wenigen Wochen bis Monaten, etwa einen trockenen heißen Sommer. Klima ist die Statistik über das Wetter, dazu sind Meßdaten über mindestens 30 Jahre nötig.
Blitze: mal so richtig knistern lassen!
Auf Blitzortung.org können Sie das aktuelle Gewittergeschehen verfolgen, die Daten kommen von Sentinel 2. Herr Bähnke zeigte den Teilnehmern seiner Führung auf dem Smartphone, wie man das Knistern hörbar macht. Über Sentinel 2, Eumetsat und weitere Wetterbeobachtunssatelliten lesen Sie im Beitrag über einen Besuch bei der ESA in Darmstadt, den Link finden Sie auf unserer zur Übersichtsseite Wetter auf durchblick-lamo.de mit zahlreichen weiteren Infos, vielen Fotos vom Wetterpark und Direktlinks zu interessanten Seiten!
Ausflugstipp: die Regionalpark Klimaroute
Der Klimawandel ist in aller Munde. Wir wissen, dass die Temperaturen weltweit durch menschliche Einflüsse steigen. Doch welche Folgen hat der Klimawandel für uns und für unsere Region? Wie können wir uns an das sich verändernde Klima anpassen? Und welche Phänomene sind weltweit zu befürchten? Über diese und weitere Themen informiert die Regionalpark Klimaroute.
Auf den Seiten www.regionalpark-rheinmain.de findet man alle Erlebnispunkte, die auch auf der Faltkarte zu sehen sind. Die Gesamtroute umfaßt 190 Kilometer und kann in einzelnen Etappen erradelt werden. Insgesamt gehören 800 Kilometer Abenteuer zum Regionalpark Rhein-Main. Es gibt einen Erlebnisfinder, Hofstationen, Türme um die Aussicht zu genießen. Für Kinder gibt es ein Wimmelbild und man kann eine Zeitreise machen.
Wer an einem schönen Herbsttag eine Radtour plant, kann in den Veranstaltungskalender schauen, ob etwas Interessantes an der Strecke stattfindet, zum Beispiel am 3. Oktober eine Naturführung rund um das Edelkastaniendorf Mammolshain im Taunus unter dem Titel "Herbstzauber in de Keste - Natur & Genuß rund um die Edelkastanie". Kartenmaterial und Broschüren können hier online bestellt werden. Es gibt einen Tourenguide und mehrere Freizeitkarten. Das Faltblatt "Klimaroute - Weltreise entlang des Mains" zeigt eine Radstrecke von Kelsterbach bis Dietesheim am Main. Unterwegs informieren acht künstlerisch gestaltete Stationen zu Flußwäldern (Kelsterbach Nizza), Flußfluten (Niederräder Ufer), Flußwind (Hafenpark Frankfurt) und Flußstadt (Offenbach) und vielen weiteren Themen.
Am Weg liegt auch der Wetterpark Offenbach, wo es viel über Wetter, Klima und Klimawandel zu erfahren gibt. Man kann selbst einen "Sturm im Wasserglas" erkurbeln: es entsteht ein Vortex, der zeigt wie ein Tornado entsteht.
Man erfährt warum die Luftreinheit so wichtig für die Gesundheit ist und welche Pflanzen welche Allergiepotentiale haben. Der Wetterpark ist ganzjährig durchgängig geöffnet, das Besucherzentrum ist im Oktober Di-Fr 10-16 Uhr geöffnet (ab 1.11. Winterpause bis 1. Mai!), der Eintritt ist frei.
Nur mal angenommen: Gibt es ein Leben ohne Erdöl?
Viele hängen der romantischen Vorstellung an, daß wir uns mit unserer Hände Arbeit ernähren könnten.
Einfach mal im Frühjahr ein paar Getreidekörner säen und im Sommer soviel ernten daß man satt für den Winter zu essen hat... Und das für alle 8 Milliarden Menschen auf der Erde!
Pustekuchen! Heute - mit allen Erdölprodukten wie Betriebsstoff für die Maschinen, Kunstdünger, Verpackungen - holt die industrielle Landwirtschaft aus einem Getreidekorn 12 Körner Ernte heraus.
Vor 1200 Jahren dagegen waren es drei Körner! Eins davon wurde als eiserne Reserve für die nächste Aussaat weggeschlossen. Eins zahlte man als Zehnt an die Herrschaft. Und eins blieb zum Essen.
Also weg mit romantischen Ideen. Ohne Erdöl wären wir aufgeschmissen, denn wir produzieren unseren Lebensmittelbedarf größtenteils nicht selbst, sondern importieren ihn - per Flugzeug, Schiff und LKW.
Ganz ohne Bauernromantik dagegen kommt das Freilichtlabor Lauresham aus. Hier probiert man inzwischen seit über einem Jahrzehnt, wie sich das Leben anno 800 gestaltete.
Dazu rekonstruiert man aus Metall-funden und Abbildungen in alten Chroniken, wie ein Pflug aussehen mußte, ein Wagen, ein Joch oder auch Kleidung.
Wie man mit der 1200 jahre alten Ackertradition umgehen muß: pflügen mit Ochsen, Anbau auf Wölbäckern, Unkraut per Hand ausrupfen, Ernte mit Sichel und Sense, Dreschen mit Dreschflegeln plus Windnutzung in der Bauweise der Scheune,
und vieles mehr wird hier experimentell erforscht und bietet - so eigentümlich das klingt - wichtige Forschungsgrundlagen für künftige zukunftsfeste Technologien. Ist ein Leben ohne Erdöl vielleicht doch irgendwann möglich? M. Hiller, mit Feder und Tinte auf Pergament kalligrafiert...
M. Hiller