Im Odenwald wird die Landschaftspflege aufgrund sinkender Zahlen von Erwerbs- und Nebenerwerbslandwirten immer weiter verlagert auf Privatpersonen oder Landschaftspflegeverbände. Sind die Flächen noch an topografisch exponierten Orten gelegen, wird die Pflege schwierig und viele Flächen verbuschen zunehmend. Leider sind hiervon auch insbesondere Streuobstwiesen betroffen, die aufgrund ihrer Kleinteiligkeit oft auch für die Wiesenmahd wenig geeignet sind und nur noch selten beweidet werden.
Schafe bieten hier die Möglichkeit einer alternativen Beweidungsform. Sie eigen sich insbesondere zur Offenhaltung von schwachwüchsigen, steilen oder schlecht zugänglichen Standorten, wo es an Alternativen wie bspw. Mähnutzung, Beweidung mit Rindern oder Pferden fehlt. Sie können in kleinerer Anzahl eingekoppelt oder als Herde in Wander-/ oder Hüteschafhaltung unter Einsatz von flexiblen Koppeln über die Flächen geführt werden. Gehölze werden durch Schafe deutlich weniger verbissen wie etwa durch Ziegen, wodurch sie auch für Streuobstwiesen geeignet sind. Bei einem Verbissschutz mit einer ungefähren Höhe von 1,30 m sind die Bäume weitestgehend geschützt.
Eine Vereinfachung der Haltung bringen Rassen mit sich, die kein Wollvlies tragen und somit nicht geschoren werden müssen. Eine dieser Rassen ist neben Mufflons, Kamerunschaf, Wiltshire Horn und EasyCare das Braune Haarschaf (Nolana-Landschaf) oder das Nolanafleischschaf. Sie wurden in jüngster Zeit mit dem Ziel der Zucht eines robusten, gut bemuskelten Schafes, welches einfach zu halten ist aufgrund seines natürlichen Fellwechsels und fehlender Hörner. Seit 2018 sind die beiden Rassen in anerkannt und werden auch hier im Odenwald gezüchtet.

BILD 1, Bernd Albert Walther
Bei Wanderschafhaltung ähnelt die Beweidung einer Mahd und kommt dem Naturschutz entgegen. Generell ist die Beweidung durch Schafe selektiver und der Verbiss der Pflanzen tiefer als bei Kühen oder Pferden.
Als Besonderheit bei Schafen spricht man von einem „giftigen Zahn“. Sie fressen nicht alles sondern entscheiden sich lieber für saftige Pflanzen und Gräser, anstatt für dornige und bitter schmeckende Pflanzen. Schafe sorgen in vielen Fällen durch ihr selektives Fressverhalten für eine vielfältigere Pflanzengesellschaft, denn die überbleibenden Pflanzen bieten einen großen Raum für Biodiversität und neue Pflanzen. Hierdurch können artenreiche Wiesen mit Kräutern und bunten Blumen durch Verbreitung der Samen in Vlies und Klauen entstehen.
Der "goldene Tritt" der Schafe beschreibt die positive Wirkung des leichten Gewichts und der festen Schritte der Tiere auf die Grünlandnarbe, die zur Bodenfestigung, Verbesserung des Bodenschlusses und zur Förderung der Grasnarbenbildung beiträgt, was für die Deichsicherung, Landschaftspflege und Erosionsvermeidung von großer Bedeutung ist. Die Schafe treten Mäuselöcher zu und verhindern damit deren Ausbreitung. Bei unpassender Haltung kann eine hohe Trittdichte unvorteilhaft für die Flächen sein. Bei eingekoppelter Haltung kommt dies stärker zum Tragen, was bei der Beweidung von besonderen Flächen, die der Biodiversitätserhaltung dienen, zu beachten ist.
Bernd Albert Walther aus Mossautal ist als Zuchtwart und Herdbuchzüchter beim Hessischen Verband für Schafzucht und Haltung engagiert. Mit seinen Nolanas bewirtschaftet er schon seit mehreren Jahren mit guten Ergebnissen hauptsächlich Streuobstflächen und eine Fotovoltaikanlage und ist begeistert von seinen Tieren: „Die Nolanas sind hervorragend für Hobby- und Nebenerwerbsbetriebe als Landschaftspfleger geeignet. Sie kommen sehr gut mit unserem Mittelgebirgsklima zurecht.“

BILD 2, Bernd Albert Walther
Text: Anke Braun, Förderverein Odenwälder Apfel e.V.