Aktuell: Welcher Verein kann einen Vortrag von Markus Jöckel zum Thema "ÖPNV leicht gemacht" organisieren? Bitte bis zum 14. Oktober 2026 melden:
Mehr dazu siehe unten!
Viele Einwohner Modautals und Lautertals arbeiten in den Ballungszentren und haben weite Anfahrtswege. Die aktuellen Spitpreise sind für Berufspendler eine enorme Belastung (siehe Leserbrief weiter unten!), während sich andere Fahrer einfach dafür entscheiden können, das Auto mal stehen zu lassen, zu Fuß zu gehen, mit dem Rad - oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren.
Es zeigt sich immer deutlicher, daß der Begriff "Energiekrise" sich vor allem auf die Mobilität bezieht. Die Versorgung mit Elektrizität dagegen wird inzwischen zu 59,1 % durch regenerative Gewinnung gedeckt (Statistisches Bundesamt, 8. Sept. 2026), auch die Gasspeicher sind aktuell zu 56% gefüllt, bis zum 1. November gilt die Zielvorgabe 80% (Bundesnetzagentur).
Wir werden also wohl nicht im Kalten sitzen oder unser Steak weichreiten müssen, aber in Punkto Mobilität haben wir ein Problem, das vordringlich behandelt werden muß - wie es eigentlich schon seit Jahrzehnten nötig wäre. Seit die Bahn 1994 zur privatrechtlich organisierten Deutsche Bahn AG wurde, ein paar Jahre später zur Holding mit einzelnen Tochteraktiengesellschaften, gilt nicht mehr die bahntypische Voraussicht, sondern das Prinzip des shareholder value (Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren). Massiver Investitionsstau in Verbindung mit der Abstoßung unrentabler Bereiche führte dann dazu, daß die Bahn heute das ist, was sie ist: nahezu unbenutzbar.
Auch zahlreiche Busverbindungen sind davon betroffen: die Aufträge werden ausgeschrieben, und der günstigste Anbieter erhält den Zuschlag. "Unrentable" Strecken werden ausgedünnt oder fallen ganz weg.
In den Medien geht es meist nur um die Situation in Städten - dort ist es leicht aufs Auto zu verzichten. Es gibt S-, U- und Straßenbahnnetze und ordentliche Fahrradwege. Auf dem Land dagegen möchte man nicht mit dem Fahrrad beispielsweise von Reichenbach nach Beedenkirchen fahren, auf einer Landstraße die so schmal ist, daß zwei Busse nicht aneinander vorbeikommen. Ausweichstrecken durch Wald und Flur sind oft geschottert oder haben riesige Schlaglöcher und sind somit auch nicht angenehm für Radfahrer. Und wenn ich mit dem Bus von Lautern nach Hoxhohl fahren würde, um freitags meinen SOLAWI-Anteil zu holen, wäre ich einen halben Tag unterwegs.
Nicht mal nach Darmstadt komme ich mit dem ÖPNV:
Eigentlich wollten wir an einem schönen Septembersonntag mit der Bahn nach Darmstadt fahren. Über den DB-Navigator versuchten wir ein paar Tage vorher eine Hin- und Rück-Fahrkarte für 2 Personen von Lautern nach Darmstadt zu buchen, aber es war unmöglich. Einmal hieß es man kann nur kurz vorher buchen und nicht Hin und Rück. Für zwei Personen geht schonmal gar nicht. Dann hieß es, es gibt im RMV eine Gruppenkarte für 22,50, dafür bräuchte man aber eine andere App, und die Angaben waren ziemlich unverständlich. Oder man könnte im RNV was buchen, ging aber auch nicht. Wir sind dann mit dem Auto gefahren.
ÖPNV-Fachmann Markus Jöckel meint dazu: "Richtig, DB-App oder Bahn.de leiten dich immer auf den regionalen Anbieter um, wenn dort das Angebot günstiger ist oder es sich um Überlandverkehr oder Verbund-Verkehr handelt. Aber bei Bahn-Tickets ist immer nur der Regionalverkehr in der Start- und Ziel-Stadt mit drin, kein Überlandverkehr! Du kannst also regulär kein einzelnes Ticket buchen, das von Lautern über Bensheim bis Darmstadt gültig ist! Du brauchst ein Ticket bis Bensheim und eines ab Bensheim."
Soweit so gut - bin ich von ICE-Tickets anders gewohnt... Markus dazu weiter: "Beim RMV (App oder Homepage) musst du dich wie beim VRN oder RNV extra anmelden. Die RMV-Gruppenkarte für bis zu 5 Personen kostet tatsächlich 22,50 €, ist aber im RMV-Gebiet gültig und nur dort! Lautertal gehört nicht zum RMV-Gebiet – Das ist VRN! Also gilt ein RMV-Ticket erst ab/nur bis Bensheim (auch Gruppenticket). Verbundübergreifende Tickets gibt es nur bei Monats- oder Jahreskarten, aber diese sind deutlich teurer als das Deutschland-Ticket, dafür kann man dann oft Kinder oder Enkel mitnehmen oder das Ticket teils übertragen. An sich ist das Deutschland-Ticket genial, denn es gilt überall in Deutschland von Berchtesgaden bis nach Flensburg den ganzen Monat in allen Bussen und Bahnen der 2. Klasse (außer ICE)!"
Leider nutzt das Deutschland-Ticket nichts, wenn man üblicherweise nur Fahrten hat, die völlig abseits von einem vernünftigen Fahrplan liegen. Fazit von Markus Jöckel: "All diese Dinge zeigen, wieviel beim ÖPNV und Verbünden passieren muss... Tja: herzlichen Dank an die Minister der letzten 20-30 Jahre, die ÖPNV immer blockiert haben!"
Mehr von Markus Jöckel lesen Sie hier: "Abgehängt!? – auf Foto-Tour mit Bus und Bahn" - das zweite Buch für Spaß beim Bahnfahren!
Vortrag von Markus Jöckel: "ÖPNV leicht gemacht"
Hat Ihr Verein, Ihre Organisation, Partei oder Gruppe Interesse, sich mal vom Fachmann die optimale Nutzung der Apps zeigen zu lassen unter dem Motto "ÖPNV leicht gemacht"?
Markus Jöckel kommt zu Ihrer Veranstaltung und erläutert die Finessen! Was Jöckel weiß, aber die meisten Nutzer nicht: "Buchungen im Nahverkehr für mehrere Personen mit Hin- und Rückfahrt sind möglich: bei der DB und beim RMV (Achtung: die reisenden Personen müssen manchmal namentlich gelistet werden, z.B. beim Gruppenticket im RMV – wie bei allem gilt: gewusst wie!"
ÖPNV-Fachmann Jöckel hilft bei Einrichtung und Nutzung der verschiedenen Apps und zeigt wie man die günstigsten Verbindungen von A nach B findet: sowohl was den Fahrplan betrifft als auch die Kosten. Der Vortrag ist für November geplant, bei Interesse geben Sie gerne mögliche Termine und den Vortragsort (Ihr Vereinsheim, Gasthaus o.ä.) durch: Redaktion Durchblick, Marieta Hiller,
Und hier noch ein Leserbrief von Manfred Pohl, Beedenkirchen zum Benzinpreis-Lamento
Ich muss mich mal zum Benzinpreis-Trubel melden, als Ex-Inschinöhr mit dem Rechenschieber:
- Der durchschnittliche Pendler fährt 17 km einfache Strecke zur Arbeit: s. Anhang, ..https://www.deutschlandatlas.bund.de/DE/Karten/Wie-wir-uns-bewegen/100-Pendlerdistanzen-Pendlerverflechtungen.html
- ... in einer 5-Tage-Woche fünfmal hin und fünfmal zurück, also zehnmal, macht 170 km pro Woche.
- Ein Monat hat im Durchschnitt 4,3 Wochen. Das macht 731 km Pendeln.
- Bei einem Verbrauch von 10 Litern pro 100 km muss man dafür 73 Liter tanken. 10 Cent Benzinpreiserhöhung kosten dann 7,30 Euro pro Monat. Und wenn der Preis für einen Liter von 1,80 Euro auf 2,40 €/Liter steigt, kostet das rund 44 € pro Monat.
Das kann mir doch keiner erzählen, dass das einen Menschen arm macht! Wieder nur Stammtischgebrüll, nicht nur im bösen Internet, sondern auf allen Nachrichtenkanälen, denn diese naheliegende Rechnung findet sich dort nirgends. Ums Mehrfache der 44 Euro gestiegen sind die Mietkosten durch den Wohnungsmangel, und noch viel mehr Geld pro deutscher Nase fehlen für KiTas, Schulen, Pflege, Gemeindekassen, Bundesbahn und was nicht alles.
Natürlich stimmt meine Rechnung nicht für jeden. Es gibt Leute, die fahren 100 km einfach Strecke. (Warum? Das sind täglich 3 Stunden verlorene Zeit im Auto.)
Andere leben so auf Kante, dass 40 Euro sehr viel Geld sind. Heute Morgen in den Nachrichten: 5,9 Millionen Erwachsene waren 2025 „überschuldet“, kommen da also selbst nicht mehr raus. https://genesis.destatis.de/datenbank/online/statistic/63511/table/63511-0001
Gründe:
- 18% Krankheit, Unfall
- 17% Arbeitsverlust
- 11 % Trennung, Scheidung
- 12 % Kaufverhalten
Ende des Leserbriefes, eingetroffen am 18. September 2026
Zum Schluß noch was Schönes: ein spannender Ausflug in die Eisenbahngeschichte in den "Tagen der Industriekultur Rhein-Main 2026" ...
Marieta Hiller, im September 2026