In diesem Beitrag geht es um Informations- und Recherchemedien. Da gibt es kuriose Dinge, hier ein Beispiel:
Männer die auf Wale starren
Pardon, dies wird keine Hetzschrift gegen Männer, denn die um die es hier geht, haben den härtesten Job der Welt. Es geht auch um Frauen, die in der Öffentlichkeit mitteilen, daß sie fühlen was der Wal Timmy - denn um den geht es hier - ihnen sagen will (das konnte bislang nur ein Mann, nämlich Mr. Spock, Star trek IV "zurück in die Gegenwart", 1986. Der konnte fühlen, daß die Buckelwaldame Gracie schwanger war). Aktuell aber konnten die Frauen die Todesangst eines einsamen Wales fühlen, der sich eigentlich zum Sterben zurückgezogen hatte.
Was sie nicht fühlen, ist die Todesangst von Tausenden Flüchtlingen, die jährlich im Mittelmeer ertrinken. Weil es für sie in Deutschland immer weniger Gefühle gibt...
Sie fühlen auch nicht die Todesangst von Millionen Walen und Fischen, die sich in weggeworfenen Schleppnetzen verfangen oder Plastik im Magen haben und langsam verhungern.
Auch nicht die Todesangst von Schwimmwesen aller Art, die aufgrund unseres Kreuzfahrt- und Transportverkehrs auf den Weltmeeren durch Lärm ihre Orientierung verlieren.
Soviel zu den Frauen.
Was die Welt kürzlich offenbar aber am meisten interessierte: explodiert er oder nicht? Timmy, der gestrandete Wal war längst tot, gemau wie er das geplant hatte. Und es wäre mir eigentlich nicht in den Sinn gekommen, AUCH noch darüber zu schreiben.
Aber zwei Freelancer hatten sich am Strand stationiert, um den toten und aufgedunsenen Timmy zu beobachten, im Auftrag der BILD-Zeitung.
Wäre auch noch keinen Kommentar wert. Der Spiegel jedoch widmete der Walbeobachtung dieser beiden Reporter eine ganze Seite.
Zu hoffen bleibt, daß der Spiegel auch ertrunkenen Flüchtlingen und desorientierten, verhedderten oder verhungernden Meeresbewohnern je eine - oder gern mehrere - Seiten widmet...
Die Nachrichten-Pipeline der Tagesschau
Am 26. Mai 2025 - ist schon ein Weilchen her - berichtete die ARD-Tagesschau über Jette Nietzard (Grüne Jugend) und ihr ACAB-Sweatshirt (ACAB bedeutet All Cops Are Bastards). Unabhängig von dem, was man ihr an Geschmacksverirrung oder fehlverstandener Seriosität vorwerfen kann, ist die Quelle der Tagesschau äußerst fragwürdig: wie man in Funfacts am 8. Juni erfahren konnte, hat die Tagesschau-Redaktion diese Meldung der WELT entnommen (noch nicht schlimm...). Die WELT aber brachte am 25. Mai 2025 diese Nachricht als Wiedergabe einer NIUS-Mitteilung vom 24. Mai 2025 (und das ist schon schlimm...). NIUS - ein rechtspopulistisches Medium à la FOX-News - übernahm die "Nachricht" aus dem Deutschland Kurier. Und der steht im Ruch, dem völkisch-nationalistischen Flügel der AfD nahezustehen (Wikipedia). Alle Quellenangaben zu dieser Nachrichten-Pipeline finden Sie hier:
1. Tagesschau vom 26. Mai 2025: https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/gruene-jugend-nietzard-100.html
2. Die Welt vom 25. Mai 2025: https://www.welt.de/politik/deutschland/article256167362/Jette-Nietzard-Ganz-schoen-erbaermlich-Gruene-Jugend-Chefin-loest-mit-ACAB-Pullover-Empoerung-aus.html
3. NIUS vom 24. Mai 2025: https://nius.de/politik/nietzard-verherrlicht-gewalt
4. Deutschland-Kurier vom 24. Mai 2025: https://deutschlandkurier.de/2025/05/hass-und-hetze-gruene-jugend-chefin-posiert-im-bundestag-mit-acab-pulli/
Herausgefunden hat es Funfacts: am 6. Juni 2026 erläuterte der Journalist Arne Semsrott die Pipeline.
Frag doch die KI - die weiß alles!
Wo soll man sich glaubwürdige Informationen beschaffen? Gibt man einen Suchtext in die Suchmaschine, wird inzwischen immer auch eine Suchzusammenfassung der KI (Künstliche Intelligenz) angeboten. Diese KI aber stellt nicht unbedingt tatsächlich recherchierte Informationen für Sie zusammen, sondern "erfindet" bis zu 40% an dem, was SIE glaubt, daß Sie gerne hören möchten. Ich habe mich kürzlich mit einem Syrer unterhalten, der seit 11 Jahren in Deutschland lebt. Er nutzt gern die Smartphone-KI zum Übersetzen, obwohl er sich auch gut ohne verständlich machen kann. Als er sich immer stärker echauffierte, begann die KI damit, beruhigend auf ihn einzureden anstatt mir zu übersetzen was er sagte.
Lustig, aber leider unbrauchbar...
Bevor ich eine KI frage, schaue ich bei Wikipedia nach, die haben eine eigene Faktencheck-Abteilung. Dazu lesen Sie mehr im nächsten Heft.
CORRECTIV, wenn man gut recherchierte Informationen sucht...
Wer sich über Hintergrundrecherche zu aktuellen Themen aus Politik, Forschung und Wirtschaft informieren möchte, kann dies auch über das Informations- und Recherchemedium CORRECTIV tun. Das ist eine gemeinnützige GmbH mit angeschlossener Online-Journalistenschule, der Reporterfabrik. CORRECTIV möchte investigativen und aufklärenden Journalismus für alle Menschen und Medienpartner kostenfrei zugänglich machen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit Zeitungen und Sendern, aber auch mit Bürgern. Dafür beschäftigt CORRECTIV allein 15 Mitarbeitende im Faktencheck! Da die Informationen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, ist eine Finanzierung über Spenden erforderlich, zumal Familienministerin Prien die staatliche Förderung durch "Demokratie leben" stark einschränken will. Informationen dazu:
Tagesschau vom 25. März 2026:
https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/foerderung-demokratie-leben-100.html
Familienministerin Prien will das Förderprogramm "Demokratie leben" neu aufstellen und zahlreichen Projekten die Mittel streichen.
Der Bund fördert schon seit mehr als zehn Jahren Projekte, die sich für die Demokratie einsetzen sollen. In diesem Jahr gibt die Bundesregierung dafür rund 190 Millionen Euro Steuergeld aus. Bundesfamilienministerin Karin Prien (CDU) hat angekündigt, Förderungen aus dem Programm "Demokratie leben" Ende des Jahres auslaufen zu lassen. Betroffen davon sind etwa 200 Projekte.
Inzwischen scheint der politische Rechtsruck sich zu Ungunsten demokratischer kritischer Organisationen auszuwirken, denn noch im Juni 2025 klang das ganz anders: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw26-de-nichtregierungsorganisationen-1084814
CORRECTIV nimmt selbst Stellung zu einer "Kleinen Anfrage der Unionsfraktion zu NGO: Unsere Antworten auf die Fragen zu CORRECTIV"
Im Jahr 2024 betrug der Anteil an projektgebundenen Fördermitteln aus staatlichen Förderprogrammen weniger als zehn Prozent der Gesamteinnahmen. Die gesamte Liste der Spenden ist auf diesen Seiten einsehbar.
Zuverlässige Informationen finden Sie auch hier: in der Bundeszentrale für politische Bildung https://www.bpb.de/die-bpb/ueber-uns/service/impressum/