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Es betrifft vor allem Menschen, die einem ehrlichen Beruf nachgehen und nicht mit dem Silberlöffel im Mund geboren wurden: Sie suchen eine neue Wohnung? Möchten einen Kredit oder einen Leasingvertrag? Ein neues Smartphone?
Dann benötigen Sie eine Datenauskunft von der Schufa - genauer von der Schufa Holding AG. Früher hieß sie SCHUFA e.V. - Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung, was etwas weniger fragwürdig klang. Warum sammelt eine Holding AG unsere Daten - zum Beispiel wenn Sie ein Konto eröffnen? Und warum MUSS man diesen Dienst nutzen, um an lebensnotwendige Verträge zu kommen? Gespeichert - und zur Abfrage von Anbietern bereitgestellt? - werden Angaben zur Person (Name, Vorname, Geburtsdatum, Anschrift und Voranschriften, auch im Ausland. Außerdem Daten über Bankkonten, Mobilfunkkonten, Kreditkarten, Leasingverträge, Ratenzahlungsgeschäfte und über Kredite und Bürgschaften. Ihre Bonität (der Schufa-Score) entscheidet darüber, ob Sie eine Wohnung oder einen Vertrag bekommen. Im März wurden die Regeln geändert und führten oft zu einem schlechteren Score.
Ihre Daten bleiben unter Umständen länger als zugesichert bei der Schufa: eigentlich müssen sie nach einer bestimmten Zeit wieder gelöscht werden. In der Theorie sieht das so aus:
- Anfragen für das Eröffnen eines Girokontos werden nach 12 Monaten gelöscht
- Kredite bleiben bis zum Ende des dritten Kalenderjahres nach dem Jahr der vollständigen Rückzahlung gespeichert
- Bürgschaften werden sofort gelöscht, wenn die Hauptschuld (Kredit) beglichen ist
- Die Daten über die nicht vertragsgemäße Abwicklung von Geschäften werden, wenn die Forderungen beglichen worden sind, nach 3 Jahren gelöscht
- Giro- und Kreditkartenkonten werden sofort gelöscht, wenn das Konto vom Kunden aufgelöst wird
- Kundenkonten des Handels werden nach 3 Jahren gelöscht
- Die Daten aus den Schuldnerverzeichnissen der Amtsgerichte (Vermögensauskunft und Haftbefehl nach Verweigerung der Vermögensauskunft) werden nach 3 Jahren gelöscht
- Wenn Sie der SCHUFA nachweisen, dass das Amtsgericht die Eintragung vorher gelöscht hat, werden die Daten auch bei der SCHUFA vorzeitig gelöscht
Die Verbraucherzentrale konnte jedoch feststellen, daß auch Daten, die längst hätten gelöscht werden müssen, noch verfügbar sind - und an die Vertragspartner der SCHUFA weitergegeben werden: Banken, Kreditkarten-, Leasing- und Inkassounternehmen, Versandhandel und Dienstleister, Energieversorgunger, Telekommunikations- und Versicherungsanbieter.
- 15 nützliche Fragen und Antworten zur Schufa der Verbraucherzentrale Bremen mit Musterbrief
- Einmal pro Jahr können Sie eine kostenlose Datenkopie nach Art. 15 DSGVO) anfordern und falsche Daten ändern lassen; bitte unbedingt darauf achten daß Sie die Datenkopie NUR direkt bei https://www.meineschufa.de/service/datenkopie bestellen! Es gibt diverse Anbieter, die das Gleiche kostenpflichtig anbieten. Bei der Schufa ist das einmal jährlich kostenfrei!
Die Schufa-Schattendatenbank
Tagesschau vom 15.07.2026: Die Schufa speichert nach Recherchen von NDR und SZ* unbemerkt von der Öffentlichkeit veraltete Daten von Millionen Verbrauchern auf längere Zeit.
* Bitte lesen Sie dazu, warum die Öffentlich Rechtlichen Sender so wichtig für die Demokratie sind! Wie kommt man klar im "Zeitalter der Desinformation"? und Was bewegt euch, Hessen?
Peter Hornung, NDR, schreibt dazu: "Es ist ein wahrer Schatz, den die Schufa besitzt, und er war bisher vielleicht ihr größtes Geheimnis. Denn neben der "offiziellen" Schufa-Datenbank gibt es noch eine zweite Sammlung, von der selbst viele Fachleute nichts wussten: "Historische" Daten von Millionen Verbraucherinnen und Verbrauchern, veraltete Informationen, die Jahre zurückreichen und von denen die Betroffenen bislang annahmen, dass sie längst gelöscht seien. Alte Kredite und Kreditkarten, Pfändungen und Privatinsolvenzen, Schulden, die die Betroffenen oft schon vor Jahren beglichen haben. Sensible Informationen, die großen Schaden anrichten können, wenn sie in die falschen Hände geraten. Im europäischen Datenschutzrecht gibt es deshalb ein "Recht auf Vergessenwerden", eine gesetzliche Verpflichtung, alte Daten nach einer bestimmten Zeit zu löschen. Wer seine Schulden einmal beglichen hat, der soll nicht immer wieder von seiner Vergangenheit eingeholt werden können. Trotzdem glaubt die Schufa, auch solche Daten dauerhaft speichern und verwenden zu dürfen.
So berechnet sie auf Wunsch von Unternehmenskunden, zum Beispiel Banken, die Zahlungsfähigkeit von Verbrauchern für einen bestimmten Tag in der Vergangenheit - aber nur testweise, wie sie betont. Mit Hilfe solcher anhand historischer Daten berechneten Scores lasse sich den Kunden demonstrieren, wie zuverlässig der im Frühjahr mit großem Werbeaufwand vorgestellte neue Schufa-Score sei. Dieses neue Produkt will die Schufa nämlich gerade vermarkten - und dabei hilft der Datenschatz."
Juristin Ruth Janal, Expertin für Datenschutzrecht und Professorin an der Uni Bayreuth: "Datentests sind nicht zulässig. Historische Scores geben einen gewissen Einblick in die finanzielle Situation der betroffenen Personen in der Vergangenheit. Das geht die Vertragspartnerinnen der Schufa schlichtweg überhaupt nichts an." Und abgesehen von einem möglichen Missbrauch der Daten gebe es für Verbraucher auch dadurch einen Schaden, dass sie die Kontrolle über ihre Daten verloren hätten, so Datenschutzjuristin Janal. Nach höchstrichterlichen Urteilen könne "auch ein solcher Kontrollverlust einen immateriellen Schaden bilden, der zu Schadensersatz verpflichtet".
Die Ergebnisse solcher Tests: Banken sind dies Telekommunikationsfirmen, Energieversorger, große Handelsunternehmen, eCommerce-Anbieter und Zahlungsdienstleister erhalten diese Daten. Auf eine Anfrage von NDR und SZ antworteten drei Unternehmen, daß sie solche historischen Schufa-Daten nutzen. Viele Firmen antworteten ausweichend, manche gar nicht, oder sie verwiesen die Rechercheure direkt an die Schufa. Die Schufa teilte mit, dass der Umgang mit den Daten vertraglich "strikt auf Test- und Kontrollzwecke beschränkt" sei und daß diese "nach Abschluss der Tests bei den Banken und anderen Unternehmen gelöscht werden" müßten.
Der Bundesverband der Verbraucherzentrale (VZBV) stuft dies als sehr problematisch ein: Claudio Zeitz-Brandmeyer schreibt dazu "weil es für die Unternehmen, die diese Daten bekommen, sehr verlockend ist, diese Daten nicht nur für Testzwecke zu verwenden, sondern sie auch tatsächlich beispielsweise für Kreditentscheidungen heranzuziehen".
Warum ist mein Score plötzlich schlechter, obwohl sich bei mir nichts verändert hat?
HR3 die Ratgeber vom 18.08.2026: Seit März 2026 gibt es neue Schufa-Regelungen, und plötzlich stellen Verbraucher fest, daß ihr Score abgestuft wurde und die Punktevergabe nicht korrekt stattfand, viele Daten stimmen nicht.
Wer gar keinen Kredit hat, wird viel schlechter bewertet als wer einen erfolgreich abgelösten Kredit hat.
Nachfrage bei Schufa: bei 8% der Verbraucher verschlechterte sich der Score mit Einführung der neuen Regeln. Der Basis-Score sei nur ein Orientierungswert, der NIE an Unternehmenskunden weitergegeben worden sei.
Laut Verbraucherzentrale betrifft die Score-Abstufung vor allem jüngere Menschen, die den Bestwert gar nicht erreichen können. Hierzu braucht es nämlich Zeit, ansonsten könne man wenig tun. Es ist daher wichtig, die Daten genau zu prüfen! Auf dem Schufa-Portal kann man fehlende Nachweise hochladen. Der Zugang zur Abfrage funktioniert zum Schutz der Verbraucher nur mit Authentifizierung. Man meldet sich mit dem Personalausweis o.ä. an und erhält dann per Post den Zugangscode. Dies ist kostenlos!
Weitere Infos hierzu:
03.04.2025: Kreditwürdigkeits-Check So berechnet die Schufa den neuen Bonitätsscore
02.12.2025 So kommen Verbraucher an ihren neuen Schufa-Score
Auf dieser Seite von algorithmwatch finden Sie ein von Juristen vorformuliertes Schreiben an die Schufa! AlgorithmWatch ist eine 2017 in Berlin gegründete gemeinnützige Nichtregierungsorganisation die Prozesse algorithmischer Entscheidungsfindung (Scores) betrachtet und einordnet. Insbesondere sind damit gesellschaftlich relevante Prozesse gemeint, die entweder menschliche Entscheidungen vorhersagen oder vorbestimmen oder aber Entscheidungen automatisiert treffen. (Wikipedia)
Aktualisierung 1. Sept. 2026:
Algorithmwatch hat inzwischen für über 20.000 Menschen das Formular an die Schufa geschickt. Wer keine Eingangsbestätigung erhalten hat: wenn der Vorgang nicht wiederholt werden kann, wurde das Formular verschickt.
Marieta Hiller, im August 2026