Der Gemüsegarten Hoxhohl: Aktuelles

Solidarische Landwirtschaft, Vivian Glover: https://www.gemuesegarten-hoxhohl.de/

Vivians Kolumne: der Zwiebel-Lament

Vivian Glover hat 2016 aus einem ehemaligen konventionellen Maisfeld einen Bio-Marktgarten aufgebaut, aus dem sie als Solidarische Landwirtschaft viele Familien mit frischem Gemüse versorgt. In ihren wöchentlichen Rundmails für den Abholtermin der Anteile am 21. August 2026 schreibt sie:

"So, nun zu den Zwiebeln: ich habe heute davon 9 Kisten voll geerntet, etwa die gleiche Menge ist noch auf einem weiteren Beet. Wir haben sie Ende April als Jungpflanzen bekommen und sie kurz darauf gepflanzt, 2 Beete mit 3 Reihen und 20 cm Abstand. Vorher haben wir die Beete u.a. mit je etwa 900 Litern Kompost vorbereitet, also 6 vollen, schweren Schubkarren. Zwiebeln entwickeln sich langsam und bedecken mit ihrem Laub (den "Schlotten") nur wenig den Boden, sind also konkurrenzschwach gegenüber Beikraut. Wir haben sie also 4x gehackt, pro Beet eine gute dreiviertel Stunde. Beikräuter auf den Beeten und den Wegen müssen raus. Nach dem vierten Hacken hatten wir keine Zeit mehr, sodass das Unkraut für's Hacken zu groß geworden ist. Irgendwann kommt man auch mit der Hacke nicht mehr zwischen die Zwiebelpflanzen ohne dass man ständig an den Blättern hängen bleibt und Pflanzen raus reißt. Wir mussten also von Hand jäten: auf den Knien oder gebückt, zwei Stunden pro Beet, ein paar Wochen später nochmals. Dieses Jahr mussten die Zwiebeln ab Tag 1 bewässert werden, das macht zum Glück drei Mal am Tag für 8 Minuten der Bewässerungscomputer. Der muss aber mindesten einmal pro Woche kontrolliert werden, damit er auch weiterhin richtig funktioniert und die Bewässerungsdauer an die Bodenverhältnisse angepasst werden.


Normalerweise ziehen wir die Zwiebeln dann zwei Wochen bevor wir sie ernten wollen aus dem Boden und lassen sie auf dem Beet zum Abtrocknen liegen. Das haben wir uns dieses Jahr gespart und einfach nur die Bewässerung ausgeschaltet...
Dann nehmen wir jede einzelne Zwiebel in die Hand, reißen das trockene Laub ab und entscheiden, ob sie ins Lager darf oder aussortiert wird, weil sie gammelig ist oder wird. Alles was ins Lager darf, kommt in Kisten und wird nochmal unterm Vordach der Hütte für 1 bis 3 Wochen getrocknet. Dann schütten wir sie in die Lagerkisten um, wobei wir nochmal auf gammelige kontrollieren. Vor der Ernteausgabe sortieren wir die benötigte Menge noch ein letztes Mal durch, bevor sie mit euch nach Hause dürfen.
Ganz schön aufwändig, oder? Dafür, dass es "nur" Zwiebeln sind!
Und jetzt fragt ihr euch wahrscheinlich, warum man im Supermarkt so billige Zwiebeln kaufen kann.
Es hilft nicht, hier die Landwirtschaft anzuprangern. Jeder Landwirt, ob konventionell oder Bio, unterliegt sehr harten Marktbedingungen und hat kaum Spielraum. Wie unser Gemüse angebaut wird, bestimmen nicht die Landwirte - das tun vor allem die "großen Vier", die sich den Lebensmittelmarkt in Deutschland aufteilen.
Zurück zu den Zwiebeln: ihre konventionelle Produktion auf großer Fläche ist natürlich billiger. Herbizide statt Hacken und Jäten, Regnerbewässerung statt wassersparender Tropfbewässerung, Fungizide gegen Krankheiten durch zuviel Wasser, chemisch-synthetische Düngemittel statt Kompost, maschinelle Bearbeitung oder durch Saisonarbeitskräfte mit weniger als Mindestlohn und ohne Sozialleistungen.

Aber das ist nur die halbe Wahrheit.

Denn der Preis im Supermarkt deckt nicht alle Kosten. Und das hat nicht nur mit Mischkalkulation oder Preisdruck-Machenschaften auf die Landwirt*innen zu tun. Der Grund ist, dass Kosten die durch/bei dem Anbau von Zwiebeln (die hier beispielhaft für alle landwirtschaftlichen Erzeugnisse stehen) entstehen, nicht an die Zwiebeln geknüpft werden.

Ihre Produktion ist billig - für den*die Landwirt*in. Uns als Gesellschaft kommt sie teuer zu stehen, aber oft erst Jahre später:

  • wenn das Grundwasser wegen der Düngemittel nitratverseucht ist
  • Wenn der Grundwasserspiegel wegen der Wasserentnahmen absinkt, wenn der Boden durch Versalzung gestorben ist und kein Wasser mehr aufnehmen kann
  • Wenn Flüsse deshalb schneller anschwellen und Häuser mit sich reißen
  • Wenn wegen Verdichtungen durch immer schwerere Maschinen Regen nicht mehr ausreichend versickert und lokale Wasserkreisläufe zusammenbrechen
  • Wenn es deshalb monatelang nicht mehr regnet
  • und siebenjährige Kinder fragen: "Mama, wenn jetzt kein Regen kommt, müssen wir alle sterben?"

Das nennt man Externalisierung von Kosten. Unser weltweites Konto ist mittlerweile schwer im Minus.

Liebe Grüße Vivian

 

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September 2024: Besuch im Gemüsegarten Hoxhohl - der biologische Reichtum des Gemüsegartens Hoxhohl

Mittlerweile sind es ein bisschen mehr als siebeneinhalb Jahre, seit Vivian Glover ihr Projekt „Gemüsegarten Hoxhohl“ gestartet hat. Als Mitglied im GewerbeNetz Modautal bot die Bäuerin interessierten Mitgliedern die Möglichkeit, das Projekt in einer rund zweistündigen Führung besser kennen zu lernen. Vivian Glover studierte in Eberswalde „Ökologische Landwirtschaft und Vermarktung“ und für sie ist ihre Arbeit, das spürt man jeden Augenblick, weit mehr Berufung als nur Beruf.

Klare Vorstellungen

Schon als Kind hat sie den Wunsch, in Einklang mit der Natur gesunde Lebensmittel herzustellen. Es folgen Praktika u.a. im Darmstädter Hofgut Oberfeld, wo sie anschließend mehr als sieben Jahre lang arbeitet und der Entschluss: „Mit spätestens 30 will ich meinen eigenen Betrieb.“ Tatsächlich findet sie die geeignete Fläche wenige hundert Meter oberhalb von Klein-Bieberau herrlich gelegen auf einem Hügel des Modautals. Rund ein dreiviertel Hektar Land wird zur Heimat von rund 70 verschiedenen Kulturen, die gemeinsam in aktuell etwa 180 Ernteanteilen vermarktet werden.

Garten für viele

Denn das war von Anfang an Vivian Glovers Idee hinter dem Gemüsegarten: Was aus der fruchtbaren Erde erwirtschaftet werden kann, wird in Ernteanteilen gleichmäßig aufgeteilt. Im Gegenzug beteiligen sich die Anteilseigener an den Unkosten für die landwirtschaftliche Arbeit. „Ein Ernteanteil bedeutet, einen Anteil der Ernte einer Woche“, erläutert die Frau mit dem Grünen Daumen. Gibt es in einer Woche 180 Zucchini erhält jeder Shareholder eine, gibt es 360, sind es derer zwei. Von Mai bis Dezember gibt es wöchentlich Frisches vom Feld, von Januar bis April verlängert sich dieser Rhythmus auf zwei Wochen. Dafür zahlen Ernteanteilseigner etwa 90 Euro pro Monat.

Bio-Qualität ist garantiert

Beliebig ausweiten lässt sich das Konzept freilich nicht. Natürlicher Begrenzungsfaktor ist die zur Bearbeitung zur Verfügung stehende Fläche. Vivian Glover plädiert deshalb für Nachahmer: „Wir könnten zum Beispiel mit unserem Garten ziemlich einfach alle Klein-Bieberauer mit frischem Bio-Gemüse versorgen“, erklärt sie. „Das würde natürlich auch in Ernsthofen, Asbach, Neutsch oder sonst wo funktionieren.“

Leben mit der Natur

Natürlich hat die Gründerin des Gemüsegartens auch eine Botschaft. Für sie ist klar: „Wir müssen als Gesellschaft entscheiden, wie wir uns ernähren, was wir essen wollen.“ Bei ihr geschieht so gut wie jede landwirtschaftliche Arbeit – abgesehen von Dingen wie Rasenmähen – von Hand und ohne schweres Gerät. „Dadurch können wir näher an die Pflanzen ran und spüren auch jeden Tag, was um uns herum passiert.“ Entscheidend sei das Bodenleben, referiert die studierte Landwirtin, denn Bodenleben bedeute Fruchtbarkeit. Deshalb auch die vielen Kulturen von Kohl-, Kürbis-, Gänsefuß- oder Knöterichgewächsen. „Vielfalt hilft dem Bodenleben und vermindert die Degradation unserer Fläche.“ Das steigert am Ende auch deutlich den Ertrag.

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Vielfalt für mehr Bodenleben: Etwa 70 verschiedene Kulturen gedeihen auf dem dreiviertel Hektar oberhalb von Klein-Bieberau. Asseln, Würmer und Kleinstlebewesen sorgen für die Fruchtbarkeit des Bodens. Bilder: GNM

 

Nov. 2021 Landwirtschaft mal anders: die SoLaWi

Daß der Odenwald nicht zwangsläufig aus Maisfeldern und Energiepflanzungen bestehen muß, sondern durchaus - auch auf kargem Boden - sehr gute Erträge an Gemüse bringen kann, zeigt die SoLaWi (Solidarische Landwirtschaft) von Vivien Glover in der Nähe Klein-Bieberau.

Auf einem ehemaligen Maisfeld wächst hier seit einigen Jahren Reihe für Reihe leckeres Biogemüse. Die Landwirtin Vivian Glover - sie sagte schon als Kind "ich will Bäuerin werden" - hat hier die SoLaWi Gemüsegarten Hoxhohl gegründet. Ca. 90 Ganzjahres-"Aktionäre" und nochmals die Hälfte an Sommerteilhabern tragen das Projekt finanziell, so daß alle Kosten für Investitionen, Krankenkasse, Versicherung, Altersversorgung etc. gesichert sind. Dafür erhalten sie jede Woche einen bunten Korb an knackfrischem Gemüse - alles BIO. Von einem Anteil (monatliche Kosten ca. 80 Euro) können sich zwei Personen sehr gut gemischt ernähren oder eine Person rein vegetarisch. Nur Kartoffeln (gibt es in Bioqualität in Hoxhohl im Vertrauensschrank an der Straße gegenüber von Biohof Jährling) und - noch - Obst muß man zukaufen.

Zunächst wurde das konventionelle Maisfeld zu einer Gartenfläche umgewandelt und auf Bio umgestellt. Mit Kompost aus Wembach Hahn (RAL zertifiziert für Öko-Landbau) und viel Fachwissen entwickelte sich im Lauf der Jahre ein fruchtbarer gesunder Boden. Vivian Glover besucht auch nach ihrem Studium weiterhin Fortbildungen, so daß sie stets die allerneuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse auf ihren Boden anwenden kann.

Die Pflanzen, die darauf wachsen, zeigen daß sie recht hat. Über die Jahre konnte sich ein hoher Nützlingsstand ansiedeln, der Schädlinge ganz ohne Chemie bekämpft. Immer werden ein paar blühende Pflanzen stehen gelassen für die Insekten. Zusätzlich wurden 21 Obstbäume gepflanzt, die Schatten geben, Insekten anlocken und später gutes Obst liefern werden. Gegen die extreme Wühlmaus- und Feldmausplage 2020 wurden zwei Katzen auf dem Gelände angesiedelt, die inzwischen alles sauber geputzt haben und zusätzlich gefüttert werden müssen, weil es zu wenig Mäuse gibt.

Anfangs mußte das Wasser für die Bewässerung noch in Tankpaletten zum Garten transportiert werden. Inzwischen wurde ein 30 Meter tiefer Brunnen gebohrt. Der Boden führt schon ab einer Tiefe von 6 Metern Wasser, das über ein 4-Zoll-Rohr nach oben gepumpt wird. Die Kosten für die Bohrung machen sich schnell bezahlt.

Im  Sommer 2021 drehte das ZDF einen Kurzbeitrag über den Gemüsegarten Hoxhohl, hier zu finden: https://www.zdf.de/wissen/terra-xpress/sehnsucht-landleben---neustart-auf-dem-bauernhof-102.html

Im Oktober 2021 brachte 3Sat nano nochmals Material von diesem Dreh, sehr informativ und schön gemacht: Kleiner Garten, große Wirkung

 

Sept. 2016: Solidarische Landwirtschaft für Lautertal und Modautal

Solidarische Landwirtschaft für Lautertal und Modautal: jetzt geht es endlich los

Von Kindheit an wollte Vivian Glover, gebürtig aus Beedenkirchen, Landwirtin werden. Deshalb hat sie zunächst an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde Ökolandbau und Vermarktung studiert und leitet seither den Hofladen im Darmstädter Hofgut Oberfeld mit 150 m² Verkaufsfläche und 13 Mitarbeitern.

„Etwas aufzubauen, wo vorher nichts war, Strukturen zu schaffen und Verantwortung zu übernehmen sind Dinge, die ich gut kann“, meint sie, und so war es nur eine Frage der Zeit, bis sie Kontakt zur Lautertaler Initiative Dorf im Wandel bekam. Diese Gruppe baut in Zusammenarbeit mit einem Lautertaler Landwirt eigene Kartoffeln an, ungespritzt - was regelmäßiges Kartoffelkäfer-Ablesen bedeutet. Einmal monatlich trifft man sich zu Filmabenden, Gesprächen über das Gärtnern und zum Probieren leckerer Lebensmittel. Es gibt eine gut funktionierende Sammelbestellung für direktvermarktetes Olivenöl von einer spanischen Finka, Tee aus der Teekampagne sowie dem Waschpulver Passt!, das ohne Füllstoffe, Entkalker und Duftstoffe auskommt. Von der Versorgung mit eigenem Gemüse in Bioqualität träumt man in der Gruppe schon lange, und so kann jetzt endlich auch in unserer direkten Nachbarschaft das Projekt Solidarische Landwirtschaft, kurz SoLaWi, anlaufen. Der Schwerpunkt von Vivian Glover liegt auf einem biointensiven Gemüsegarten mit ca. 40 Gemüsesorten.

Was ist solidarische Landwirtschaft?

Eine lokale Wirtschaftsgemeinschaft aus Produzent und Verbraucher, die einen eigenen transparenten, marktunabhängigen und geschlossenen Wirtschaftskreislauf schaffen. Zwei Landwirte oder Gärtner produzieren frische, vielfältige, saisonale Lebensmittel am Bedarf von ca. 30 festen Verbrauchern mit Abnahmegarantie. Diese finanzieren die Landwirtschaft über ihre Beiträge im voraus. Die gesamte Ernte wird so aufgeteilt, wie sie eben ausfällt - mal mehr, mal weniger. So übernehmen beide Seiten die Verantwortung für den Boden und seine Erzeugnisse. Diese Form der Erzeugergemeinschaft ist gerade auch für Familien mit Kindern sehr interessant, da den Kindern ein direkter Bezug zur Landschaft, zum Boden und zu den Pflanzen die darauf wachsen vermittelt wird. Im November 2016 beginnt das Projekt, ab Februar 2017 erfolgen die ersten Direktsaaten. Angebaut wird das, was die SoLaWi-Mitglieder sich wünschen. Es muß also niemand jede Woche Brokkoli essen.

Interessenten können sich bei Dorf-im-Wandel melden: Tel. 06254-9403010.

Links zum Thema

Netzwerk Solidarische Landwirtschaft: www.solidarische-landwirtschaft.org

interaktive Karte mit Solawis: www.ernte-teilen.org

Stiftung Agrarkultur leben gGmbH: www.hofgruender.de

Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft: www.abl-ev.de

Plattform regionale Lebensmittel: www.tasteofheimat.de

Internationale Plattform CSA-Bewegungen: www.urgenci.net

M. Hiller

29. September 2016

 

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